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Lieber Arm dran ...

Plaudereien über Gott und die Welt
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NotX-Lated
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Lieber Arm dran ...

Beitrag von NotX-Lated » Sa 2. Jun 2018, 17:26

Ich entkopple die Unterhaltung aus dem Freu-Thread.
Es wird mal wieder ein Opt-Outansatz für Organspende diskutiert, und das sogar von den Herren der CDU! Ist das gut oder eine Enteignung des eigenen Körpers? Werden jetzt Leben gerettet oder sozial Benachteiligte, die das nicht mitbekommen oder nicht wissen, wie sie Einspruch einlegen können, zu fungibler Organmasse degradiert?
Eberon
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Re: Lieber Arm dran ...

Beitrag von Eberon » Sa 2. Jun 2018, 17:54

Ich sehe das ähnlich wie Wedge recht kritisch. Sinn des Opt-Out-Verfahrens ist es ja, die Leute, denen es egal ist, zu Organspendern zu machen. Die Leute, die ihre Organe spenden wollen, haben ja in aller Regel einen positiven Organspendeausweis. Leute, die keine Organe spenden wollen, haben entweder bewußt keinen Ausweis oder einen negativ ausgefüllten.

Ich glaube, wenn man umstellt, dann muß man auf jeden Fall sichergehen, daß alle von der Umstellung wissen, damit die, die wirklich nicht spenden wollen, sich einen entsprechend ausgefüllten Ausweis anschaffen.
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NotX-Lated
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Re: Lieber Arm dran ...

Beitrag von NotX-Lated » Sa 2. Jun 2018, 17:57

Ich denke, viele sind indifferent oder haben sich einfach nicht damit beschäftigt. Die will man halt ins Boot holen. Und es sind ja wirklich Leben, die dadurch gerettet werden können.
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Jirinaar
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Re: Lieber Arm dran ...

Beitrag von Jirinaar » Sa 2. Jun 2018, 18:45

Was ist denn dann eigentlich, wenn folgende Situation passiert:

Du gehörst zu den Menschen, die - sagen wir aus religiösen Gründen - eine Organspende ablehnen. Deshalb hast du dir extra so einen 'Bei mir bitte nicht' Ausweis ausstellen lassen. Du bist gerade daheim. Ein Anruf - ein Freund braucht dringend Hilfe. Du saust los, um zu helfen, rein ins Auto, Unfall, schwerstverletzt, Krankenhaus. Den Ausweis hattest du in der Eile vergessen. Im Krankenhaus wirst du jetzt fein säuberlich zerlegt - gegen deinen ausdrücklichen Willen. Ich persönlich meine, das kann es doch nicht sein. Hättest du den Ausweis dabei, würden die Ärzte da womöglich eher bereit sein, dich zu retten (weil sie die nicht ausschlachten dürfen) und du könntest noch ein paar Jahrzehnte leben. (Okay, bei mir trifft das jetzt aus Altersgründen eh nicht mehr zu. Meine Organe taugen wahrscheinlich eher noch zum backen als zum heilen anderer...)

Was, wenn sie die Organe für einen VIP brauchen? Wird dann der Ausweis mit dem 'Ich will das nicht!', den ein Unfallopfer bei sich trägt, dann nicht einfach 'versehentlich' entsorgt? Bei der ganzen Korruption in der Welt traue ich dem System nicht so recht.
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Re: Lieber Arm dran ...

Beitrag von NotX-Lated » Sa 2. Jun 2018, 18:56

Ich glaube, wenn du anfängst, Ärzten und Rettungsassistenten zu misstrauen, dann wirst du sowieso nicht mehr froh im Leben. Ob mit Spenderausweis oder ohne. Ich gehe davon aus, dass Rettungsassistenten und Notärzte erst einmal alles geben, was sie können. Und auch erst danach gucken, ob du überhaupt so 'nen Ausweis hast. Und zugegebenermaßen überschaubare Menge an die Rettungsassistenten, die ich kenne, bestätigen diesen Eindruck.
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Re: Lieber Arm dran ...

Beitrag von Eberon » Sa 2. Jun 2018, 19:11

Vor allen Dingen machte es in einem korrupten System ohnehin keinen Unterschied ob Opt-in oder Opt-out, ob Spendenausweis oder kein Spendenausweis.
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Jirinaar
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Re: Lieber Arm dran ...

Beitrag von Jirinaar » Sa 2. Jun 2018, 19:15

@ NotX-Lated:
Es ist schön, dass du bisher anscheinend nur positive Erfahrungen gemacht hast. Ich gönne dir aus ganzem Herzen, dass das so bleibt. Ich will den Ärzten und Rettungsassistenten auch nichts böses unterstellen; es war nur ein Gedankenspiel. - Aber Hand auf's Herz: Sind die Ärzte im Krankenhaus nicht oftmals völlig überlastet? Wenn die ohne Schlaf (oder mit zwei, drei Stunden Schlaf) das ganze Wochenende Bereitschaft machen müssen? In einer solchen Situation sind schon oft Fehlentscheidungen gefallen und ganz sicherlich eine Menge Leute sinnlos gestorben. Nein, dafür mache ich nicht diese Ärzte verantwortlich. - Eher diejenigen, die solche Bereitschaften in dieser zeitlichen Länge anordnen (müssen). Das sind imho politische Entscheidungen, die für solche Zustände sorgen. Die Politik hätte es in der Hand, Bereitschaftseinsätze auf 24 Stunden zu begrenzen, aber da kommt nichts.
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juh
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Re: Lieber Arm dran ...

Beitrag von juh » Sa 2. Jun 2018, 19:42

Da der ganze Aufwand für Organentnahmen bei Ärzten auf die normale Arbeit oben drauf kommt, werden gerade überlastete Ärzte das nicht machen. Das ist ja derzeit ein Hauptproblem. Selbst wenn es einen potenziellen Spender gibt, der gerade gestorben ist, kommt es wegen Überlastung des Klinikpersonals nicht zur Entnahme. Und wenn gerade Phasen sind, wo wenig los ist, kommt partout kein potenzieller Spender rein. Diese zwei Faktoren bedingen die abnehmende Zahl erfolgreicher Transplantationen.
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Re: Lieber Arm dran ...

Beitrag von uzi » Sa 2. Jun 2018, 19:51

Jirinaar hat geschrieben:
Sa 2. Jun 2018, 18:45
Was ist denn dann eigentlich, wenn folgende Situation passiert:
...na ich weiß nicht. diese ganzen was-wäre-wenn-spielchen halte ich für eher sinnlos. na klar kann man situationen konstruieren, wo durch unglückliche umstände jemandem die organe entnommen werden, der das eigentlich nicht wollte. das kann man beim jetzigen system aber auch für die große masse, die keinen 'negativen' ausweis dabei haben. da entscheiden dann die hinterbliebenen und wer weiß schon, was die machen. das ist doch alles jacke wie hose und beim opt-out-verfahren rettet so ein false-positive wenigstens noch leben. besser als andersrum, wo keine organe entnommen wurden, obwohl der tote eigentlich wollte, nur weil er den ausweis vergessen hat.

als alternative kommt dann natürlich die zwangs-entscheidung ins spiel. aber das heißt auch: noch ne zentralisierte datenbank mit persönlichen daten aller deutschen. und natürlich die kosten für das ganze prozedere. ist es das wert? ich glaube nicht. und was ist eigentlich, wenn ich mich dann umentscheiden will und auf dem weg zum amt überfahren werde? sprich: auch hier kann man situationen konstruieren, die in einen fehler münden.

ich denke, man darf über konstruierte einzelfälle (die mit sicherheit dann auch in der realität vorkommen) das gesamtbild nicht aus den augen verlieren. und da bleibe ich dabei: opt-out bringt den größten nutzen bei geringsten kosten.
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Re: Lieber Arm dran ...

Beitrag von NotX-Lated » Sa 2. Jun 2018, 20:01

Jirinaar hat geschrieben:
Sa 2. Jun 2018, 19:15
@ NotX-Lated:
Es ist schön, dass du bisher anscheinend nur positive Erfahrungen gemacht hast. Ich gönne dir aus ganzem Herzen, dass das so bleibt. Ich will den Ärzten und Rettungsassistenten auch nichts böses unterstellen; es war nur ein Gedankenspiel. - Aber Hand auf's Herz: Sind die Ärzte im Krankenhaus nicht oftmals völlig überlastet? Wenn die ohne Schlaf (oder mit zwei, drei Stunden Schlaf) das ganze Wochenende Bereitschaft machen müssen? In einer solchen Situation sind schon oft Fehlentscheidungen gefallen und ganz sicherlich eine Menge Leute sinnlos gestorben. Nein, dafür mache ich nicht diese Ärzte verantwortlich. - Eher diejenigen, die solche Bereitschaften in dieser zeitlichen Länge anordnen (müssen). Das sind imho politische Entscheidungen, die für solche Zustände sorgen. Die Politik hätte es in der Hand, Bereitschaftseinsätze auf 24 Stunden zu begrenzen, aber da kommt nichts.
Das stimmt alles. Aber das hat irgendwie nicht mehr viel damit zu tun, dass korrupte Ersthelfer einen angeschlagenen Patienten schlachten, um über irgendwelche Kanäle begehrte Organe an VIPs zu verticken.
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Re: Lieber Arm dran ...

Beitrag von Beldoril » Sa 2. Jun 2018, 20:08

Warum können solche Informationen eigentlich nicht auf der Krankenkarte gespeichert werden? Das wäre doch das einfachste. Klar, die Karte kann man genau wie den Ausweis nicht dabeihaben, aber dann sollte das ja immer noch in der Datenbank der Versicherung stehen. Und in der Online-Welt kann man ja Änderungen der Daten usw. recht schnell beantragen.
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Jirinaar
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Re: Lieber Arm dran ...

Beitrag von Jirinaar » Sa 2. Jun 2018, 20:39

Na, ich denke, das wäre dann wohl wirklich der sinnvollste Ort, wo die Daten eingetragen werden können. Dort könnte zu einem angegebenen Stichtag ein Default-Ok eingetragen werden, und wer das nicht will, kann es beim Hausarzt oder der Krankenkasse auf Nicht-Ok umsetzen lassen. Dann sollte doch jeder mit einer solchen Lösung leben können.
:(
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Re: Lieber Arm dran ...

Beitrag von uzi » Sa 2. Jun 2018, 20:41

welchen unterschied macht das, ob es auf der krankenkarte oder einem gesonderten ausweis steht? bei opt-out und opt-in führt es im vergleich zum jetzigen papier-ausweis zum selbst-ausfüllen nur dazu, dass die daten irgendwo zentral gespeichert werden. ist also wieder die gleiche abwägung: nutzen (kann man nicht vergessen) gegen kosten (perönliche daten irgendwo elektronisch gespeichert). ist aber für die frage opt-in oder -out kein argument für eine der seiten.
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Jirinaar
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Re: Lieber Arm dran ...

Beitrag von Jirinaar » Sa 2. Jun 2018, 20:56

Naja, bei einem gesonderten Ausweis wäre es wohl eine weitere Datenbank mit speziell diesen Daten, auf der Krankenkarte wäre es nur ein weiterer Eintrag in einer bestehenden Datenbank --> geringere Kosten.
:(
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Therak
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Re: Lieber Arm dran ...

Beitrag von Therak » Sa 2. Jun 2018, 20:57

Jirinaar hat geschrieben:
Sa 2. Jun 2018, 20:39
Na, ich denke, das wäre dann wohl wirklich der sinnvollste Ort, wo die Daten eingetragen werden können. Dort könnte zu einem angegebenen Stichtag ein Default-Ok eingetragen werden, und wer das nicht will, kann es beim Hausarzt oder der Krankenkasse auf Nicht-Ok umsetzen lassen. Dann sollte doch jeder mit einer solchen Lösung leben können.
Die Krankenkassen verschicken so viel Krimskrams das man ausfüllen muss. Es würde hier doch reichen, wenn beim jährlichen Ausfüllwisch einfach noch ein extra Formular bezüglich Organspende dabei wäre, welches man ausfüllen muss. Sprich: Jeder muss sich aktiv dafür oder dagegen entscheiden. Kein Zwang. Kein automatisches Eintragen. Immer vorausgesetzt, man würde das eben zentral in der Krankenakte speichern und nicht auf nem extra Kärtchen.
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Wedge
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Re: Lieber Arm dran ...

Beitrag von Wedge » Sa 2. Jun 2018, 21:25

ich antworte mal hier auf den post im anderen thread

uzi hat geschrieben:
Sa 2. Jun 2018, 15:49
ist doch quark. was heißt hier enteingung!? wenn du tot bist, kannst du kein eigentum mehr haben.
wenn der mensch keinerlei recht am eigenen toten körper nach dem ableben hat, warum achten wir dann sowas wie verfügungen darüber, was mit dem körper passieren soll? warum verbrennen wir nicht einfach alle und schmeißen sie auf die felder. wäre besser für unsere böden und platztsparend auch noch. unbeachtet davon, was die menschen wollten. tun wir aber nicht. warum? weil wir dem menschen die rechte an seinem körper auch nach dem ableben zugestehen.

uzi hat geschrieben:
Sa 2. Jun 2018, 15:49
um mich mal deiner effekthascherischen sprache zu bedienen: die werden jetzt per default zum tode verurteilt. na danke auch.
bullshit argument. jeder ist per default zum tode verurteilt. die frage ist nur wann und wie, nicht ob. verkauf dich nicht unter nivaeu. aber das problem hier ist, ob der sterbende mehr rechte an fremden körpern hat als derjenige, der der körper war und ob man das den staat regeln lassen muss oder sogar darf.


vielleicht bin ich ja der einzige, der die verantwortung für das individuum beim individuum lassen möchte, vielleicht habe ich meine bedenken auch nicht klar ausgedrückt. ich wiederhole mich, ich bin kein jurist. ich hab die lingo nicht drauf. aber ich kann es nochmal versuchen: die rechte an den sterblichen überresten eines menschen sollten by default immer bei diesem menschen liegen und von diesem freiwillig in einer dedizierten handlung an andere übergeben werden. die rechte an den sterblichen überresten eines menschen sollten nicht by default in den händen zufällig anwesender personen liegen und eine unfreiwillige, dedizierte handlung des menschen zur erlangung erfordern.
uzi
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Re: Lieber Arm dran ...

Beitrag von uzi » Sa 2. Jun 2018, 22:24

Jirinaar hat geschrieben:
Sa 2. Jun 2018, 20:56
Naja, bei einem gesonderten Ausweis wäre es wohl eine weitere Datenbank mit speziell diesen Daten, auf der Krankenkarte wäre es nur ein weiterer Eintrag in einer bestehenden Datenbank --> geringere Kosten.
huh? es gibt doch bereits jetzt einen gesonderten ausweis - ganz ohne irgendeine datenbank. und um mich zu wiederholen: welchen unterschied macht das in bezug auf opt-in oder opt-out?

Wedge hat geschrieben:
Sa 2. Jun 2018, 21:25
ich antworte mal hier auf den post im anderen thread

uzi hat geschrieben:
Sa 2. Jun 2018, 15:49
ist doch quark. was heißt hier enteingung!? wenn du tot bist, kannst du kein eigentum mehr haben.
wenn der mensch keinerlei recht am eigenen toten körper nach dem ableben hat, warum achten wir dann sowas wie verfügungen darüber, was mit dem körper passieren soll? warum verbrennen wir nicht einfach alle und schmeißen sie auf die felder. wäre besser für unsere böden und platztsparend auch noch.
find ich gut :D

unbeachtet davon, was die menschen wollten.
und genau darum gehts gar nicht. das ist eine scheindiskussion, die nur emotionen schüren soll. auch bei opt-out wird beachtet, was der mensch will, sofern er sich geäußert hat. das ist überhaupt nicht anders, als bei opt-in oder zwangsentscheidung. es geht ja immer nur darum, was passiert, wenn sich der tote zu lebzeiten nicht geäußert hat und somit sein wille unbekannt ist.

uzi hat geschrieben:
Sa 2. Jun 2018, 15:49
um mich mal deiner effekthascherischen sprache zu bedienen: die werden jetzt per default zum tode verurteilt. na danke auch.
bullshit argument. jeder ist per default zum tode verurteilt. die frage ist nur wann und wie, nicht ob.
das ist ein bullshit argument. es macht ja wohl einen sehr großen unterschied, ob ich mit 30 oder 90 sterbe und insbesondere, ob ich sterbe, obwohl ich nicht müsste, wenn nur genug spenderorgane zur verfügung stünden. mit 'jeder stirbt doch sowieso' kann ich auch morde legalisieren. was ist das denn für ne argumentation!?

vielleicht bin ich ja der einzige, der die verantwortung für das individuum beim individuum lassen möchte,
bist du nicht. nicht der punkt. bei opt-out bleibt die verantwortung ebenfalls beim individuum. wenn man deiner argumentation folgt und das recht am eigenen körper nach dem tod, das auf leben durch spenderorgan übersteigt, überträgt man dem individuum in gewissem sinne sogar mehr verantwortung durch opt-out.

die rechte an den sterblichen überresten eines menschen sollten by default immer bei diesem menschen liegen
tun sie auch bei opt-out.

und von diesem freiwillig in einer dedizierten handlung an andere übergeben werden.
das ist des pudels kern. aber ich sehe keinerlei begründung dafür, außer einem offensichtlich diffusen unbehagen darüber, dass bei opt-out keine aktive handlung seitens des potenziellen spenders nötig ist. das ist mir zu wenig, um es als argument in betracht zu ziehen.
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Re: Lieber Arm dran ...

Beitrag von uzi » Sa 2. Jun 2018, 23:47

...mir ist erst im nachhinein so richtig klar geworden, dass deine argumentation noch aus einem anderen grund nicht zieht. wenn ich es richtig verstehe, sagst du im kern, dass man das recht am eigenen körper nicht ohne einen expliziten akt ausüben können sollte. das halte ich per se für unbegründet, aber vor allem lässt sich damit auch in die andere richtung argumentieren. die aktuelle opt-in lösung geht ja auch von einer impliziten entscheidung des toten aus, nämlich dafür seine organe nicht zu spenden. heißt: sowohl opt-in, als auch opt-out gehen von einer impliziten ('default') entscheidung über den eigenen körper aus, wenn keine explizite entscheidung vorliegt. und da bin ich dann wieder an der stelle, wo ich sage, dass opt-out zu bevorzugen ist, weil dabei mehr leben gerettet werden.

wenn überhaupt ist das ganze also ein argument für die zwangs-entscheidung.
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Re: Lieber Arm dran ...

Beitrag von Eberon » So 3. Jun 2018, 00:08

uzi hat geschrieben:
Sa 2. Jun 2018, 23:47
die aktuelle opt-in lösung geht ja auch von einer impliziten entscheidung des toten aus, nämlich dafür seine organe nicht zu spenden.
Nein, genau das tut sie nicht. Die Opt-in-Lösung sagt: »Wir machen nichts an der Leiche ohne expliziten Einverständnis.« Dabei wird von gar nichts ausgegangen. Opt-out hingegen sagt: »Wir nehmen uns die Organe, die wir brauchen, es sei denn, es wird explizit widersprochen.«

Keine der beiden Lösungen geht dabei von irgendetwas aus. Die Frage ist bei keinem der beiden: »Was würde der Tote wollen?«, sondern »Was tun wir, wenn wir nicht wissen, was der Tote wollen würde.«

Bei Opt-in lassen wir die Leiche im Zweifel in Frieden, bei Opt-out nehmen wir uns, was wir brauchen.

(Übrigens, selbst wenn wir annehmen, daß der Verstorbene nach seinem Tode kein Eigentum oder Besitz mehr an seinem Körper hat und somit sein Wille unerheblich ist, gehört die Leiche dann nicht immer noch den Hinterbliebenen und nicht dem Krankenhaus?)
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Re: Lieber Arm dran ...

Beitrag von TheDarkShadow » So 3. Jun 2018, 00:19

Im Prinzip lässt sich die ganze Frage, unabhängig von den vielen Nebenschauplätzen, ganz einfach runterbrechen. Ist der Standard Egoismus oder Altruismus. Bin ich der Meinung das mein Körper auch nach dem Tod mir gehört oder der Meinung das dieser anderen Menschen helfen soll nicht so schnell zu sterben. Mag etwas polarisierend sein, aber schlussendlich läuft es genau darauf hinaus.
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Re: Lieber Arm dran ...

Beitrag von Necris » So 3. Jun 2018, 01:35

Ich finde die Idee in Ordnung, und die einzig praktikable Variante. Es ist sehr brachial, aber ich halte tote Menschen aufgrund von unnötiger Bürokratie für unsinnig. Am leichtesten wäre eine Umschichtung einer solchen Verantwortlichkeit auf die lebenden Angehörigen. Sprich Organspende generell ja, aber 1) der Ausweis kann widersprechen, 2) der Verwandte kann widersprechen. Alles innerhalb einer sehr kurzen Frist.
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Re: Lieber Arm dran ...

Beitrag von uzi » So 3. Jun 2018, 08:18

Eberon hat geschrieben:
So 3. Jun 2018, 00:08
Keine der beiden Lösungen geht dabei von irgendetwas aus. Die Frage ist bei keinem der beiden: »Was würde der Tote wollen?«, sondern »Was tun wir, wenn wir nicht wissen, was der Tote wollen würde.«
da kann ich mitgehen, auch wenn ich das gefühl habe, dass das nicht wirklich einen unterschied macht.
(Übrigens, selbst wenn wir annehmen, daß der Verstorbene nach seinem Tode kein Eigentum oder Besitz mehr an seinem Körper hat und somit sein Wille unerheblich ist, gehört die Leiche dann nicht immer noch den Hinterbliebenen und nicht dem Krankenhaus?)
das ist bei der jetzigen variante afaik genau so geregelt (wenn keine explizite entscheidung des toten vorliegt, müssen die hinterbliebenen entscheiden) und würde auch bei einem opt-out sicher übernommen werden. dieser 'zwischenschritt' ist mit beiden varianten kompatibel.

TheDarkShadow hat geschrieben:
So 3. Jun 2018, 00:19
Im Prinzip lässt sich die ganze Frage, unabhängig von den vielen Nebenschauplätzen, ganz einfach runterbrechen. Ist der Standard Egoismus oder Altruismus. Bin ich der Meinung das mein Körper auch nach dem Tod mir gehört oder der Meinung das dieser anderen Menschen helfen soll nicht so schnell zu sterben. Mag etwas polarisierend sein, aber schlussendlich läuft es genau darauf hinaus.
na das sehe ich etwas anders, denn auch bei opt-out darf man sich ja egoistisch (um deine wortwahl beizubehalten) verhalten. oder allgemein: altruismus + egoismus sind jeweils mit opt-in und -out möglich. der punkt ist aber trotzdem nicht unwichtig, nämlich dann, wenn man um einen zwang zur organspende diskutieren will ;). wenn man ganz hart ist, muss man die weigerung seine organe nach dem tod zu spenden als unterlassene hilfeleistung mit potenziell tödlichen folgen einstufen. und als aufgeklärter und wissenschaftlich geprägter mensch muss man sich dann die frage gefallen lassen, warum man lieber irgendwo verrottet, als jemandem das leben zu retten und wie das wohl zu begründen ist. aber so weit will ich ja im moment gar nicht gehen... insbesondere deshalb, weil ich keine lust habe, mich mit religiösen fanatikern zu unterhalten. dann müsste ich nämlich auch anfangen, die beschneidung von jungs nach jüdischem glauben zu diskutieren etc pp ;).
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Re: Lieber Arm dran ...

Beitrag von Eberon » So 3. Jun 2018, 09:59

uzi hat geschrieben:
So 3. Jun 2018, 08:18
Eberon hat geschrieben:
So 3. Jun 2018, 00:08
(Übrigens, selbst wenn wir annehmen, daß der Verstorbene nach seinem Tode kein Eigentum oder Besitz mehr an seinem Körper hat und somit sein Wille unerheblich ist, gehört die Leiche dann nicht immer noch den Hinterbliebenen und nicht dem Krankenhaus?)
das ist bei der jetzigen variante afaik genau so geregelt (wenn keine explizite entscheidung des toten vorliegt, müssen die hinterbliebenen entscheiden) und würde auch bei einem opt-out sicher übernommen werden. dieser 'zwischenschritt' ist mit beiden varianten kompatibel.
Ich sehe nicht, wie man das machen will, ohne Opt-out ad absurdum zu führen. Im Moment muß man ja die Angehörigen Fragen, weil man ohne explizite Erlaubnis keine Organe entnehmen darf. Wenn man allerdings ohne explizites Verbot Organe entnehmen darf, gibt es doch gar keinen Grund, die Hinterbliebenen zu fragen. Es sei denn, Du gestehst ihnen ein Veto-Recht zu. Dann ist man aber wieder genau da, wo man schon heute ist. Die, die heute zustimmen, legen dann kein Veto ein und die, die heute schon nicht zustimmen, legen ihr Veto ein. Die einzigen, für die es dann einen Unterschied macht, sind diejenigen ohne Organspendeausweis und ohne Angehörige. Da kann ma sich die Umstellung aber auch gleich sparen.
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Re: Lieber Arm dran ...

Beitrag von uzi » So 3. Jun 2018, 10:17

puh, da bin ich nicht sicher. müsste man mal gucken, wie das in anderen ländern mit opt-out geregelt wurde und wie sich dort die zahlen nach der umstellung entwickelt haben. ich kann mir aber gut vorstellen, dass sich die hinterbliebenen bei unkenntnis dann eher dem 'default' (wie wedge es nennt) anschließen. wäre jedenfalls meine persönliche logik, wenn ich nicht explizit weiß, was der tote wollte. da er nichts anderslautendes hinterlassen hat, war er offensichtlich mit dem default einverstanden.
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Re: Lieber Arm dran ...

Beitrag von NotX-Lated » So 3. Jun 2018, 14:10

Ich muss sagen, ich bin erstaunt, dass es echt so viele Vorbehalte gegen ein Opt-In gibt. Dachte, das findet jeder gut, der nicht gerade stark religiös ist und deshalb ein (irrationales) Interesse an der Unversehrtheit des eigenen Leichnams hat.
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Necris
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Re: Lieber Arm dran ...

Beitrag von Necris » Mo 4. Jun 2018, 00:10

NotX-Lated hat geschrieben:
So 3. Jun 2018, 14:10
Ich muss sagen, ich bin erstaunt, dass es echt so viele Vorbehalte gegen ein Opt-In gibt. Dachte, das findet jeder gut, der nicht gerade stark religiös ist und deshalb ein (irrationales) Interesse an der Unversehrtheit des eigenen Leichnams hat.
Du hast also keine borderline rassistischen Kollegen? Keine Menschen, die trotz Türken direkt neben ihnen auf dem Islam rumhacken? Und dann kurioserweise die Muslime teilweise noch zustimmen? :D
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Re: Lieber Arm dran ...

Beitrag von NotX-Lated » Mo 4. Jun 2018, 08:52

Nein, aber ich weiß was du meinst. Im weiteren Bekanntenkreis gibt's bei mir 'ne Menge Aluthutträger. Nu würde ich das Usern wie Wedge nicht unbedingt unterstellen ...
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Karras
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Re: Lieber Arm dran ...

Beitrag von Karras » Mo 4. Jun 2018, 10:10

Wedge ist Bartträger.
Godfather101
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Re: Lieber Arm dran ...

Beitrag von Godfather101 » Mo 4. Jun 2018, 10:13

Wobei ich mir bei Wedge gut vorstellen könnte das er den ehemals explodierten hamster und nun zur platte ausgefallenen kopf mit einem Alu-Hütchen schützen wollen würde. :D
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NotX-Lated
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Re: Lieber Arm dran ...

Beitrag von NotX-Lated » Mo 4. Jun 2018, 16:15

Karras hat geschrieben:
Mo 4. Jun 2018, 10:10
Wedge ist Bartträger.
Ist das wahr??
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