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Was lest ihr derzeit?

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C-Real
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Re: Was lest ihr derzeit?

Beitrag von C-Real » So 23. Dez 2018, 13:43

So ist es.
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juh
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Re: Was lest ihr derzeit?

Beitrag von juh » Mo 24. Dez 2018, 21:46

Puh, Nachwuchs im Bett, endlich wieder etwas Ruhe :D

Lese gerade Conspiracy ( https://www.goodreads.com/book/show/36681909-conspiracy )

Beschreibt eine reale (und erfolgreiche) Intrige von Peter Thiel gegen Gawker.com
Hinterlässt bei mir das ungute Gefühl, dass Silicon Valley Milliardäre tatsächlich Strippen ziehen, die weit reichen.
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Ar-Zimrathon
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Re: Was lest ihr derzeit?

Beitrag von Ar-Zimrathon » Di 25. Dez 2018, 10:00

So, auch mal wieder was posten...

Hab ziemlich (sprich: viel) zu wenig gelesen in diesem Jahr...das letzte war bis vor zwei Wochen das Buch vom Ex-Rocketbeans-TV-Mitarbeiter Gunnar Krupp, "Absacker". Im Prinzip geht's um einen jungen Mann, der gern bei seinen Lieblingsyoutubestars für Prankvideos arbeiten möchte, dort einsteigt und die Höhen und Tiefen des Medienbusiness kennenlernt, während er sich seinen Alltag verkorkst. Hatte keine Erwartungen, muss aber sagen, dass ich seit langem mal wieder begeistert gelesen habe und das Ding quasi kaum aus der Hand legen wollte. Die Story ist zwar kein philosophisches Meisterwerk, die Beschreibungen von Erbrochenem etc. sind manchmal recht widerlich, aber insgesamt hat sich's superflüssig weggelesen. Als jemand, der selbst immer mal ein wenig schreibt, fand ich's einen gelungenen Erstlingsroman. Hat aber halt auch eine gewisse Zielgruppe zwischen...20-35 schätze ich.

Hatte dann halbherzig in Erwartung auf Weihnachten "42,195" angefangen, ein Sachbuch in dem der Autor in 42 Kapiteln bissel über seine Marathonerfahrungen und das Drumherum wie Vorbereitung, Klamotten, etc. berichtet. Hab das Thema selbst zweimal hinter mir und fand das erste Drittel so Larifariblabla, dass ich es wieder beiseite gepackt hab. Keine Ahnung, ob die Zielgruppe erfahrene Läufer/Marathoni sein soll oder eher Laufsportfremde...irgendwie ist es nichts Halbes und nichts Ganzes...

Und jetzt gab's gestern vom Vadder den heißersehnten und gewünschten Nachschub: einerseits die Bruce-Dickinson-Biographie, die ich trotz Iron-Maiden-Fantum verpennt haben muss, und dazu die ersten drei Bücher vom Wheel of Time. Viel von gehört, Erwartungshaltung ziemlich hoch, bin gespannt, was mich erwartet. :-)
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McCrazy
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Re: Was lest ihr derzeit?

Beitrag von McCrazy » Di 25. Dez 2018, 10:02

Am letzen WE auf Verwandtenbesuch. Bei ein, zwei Gelengenheiten etwas gelesen, das sich auf meinem Handy befand.

Name: Quest: Eight Novels of Fantasy, Myth, and Magic
Das ist eine Sammlung von 8 Büchern von 8 verschiedenen Autoren, die ich schon ein paar Mal angefangen habe, z.B. beim Frisör oder so.
Das sind:

Lindsay Buroker
Jeffrey M. Poole
Joseph R. Lallo
Mark E. Cooper
Patty Jansen
Charlotte E. English
Robert J. Crane.
J. Thorn

Irgendwie kam ich nie über die ersten Seiten von der ersten Geschichte raus, aber nun wo ich etwas weiter voran kam, hat mich etwas die Neugier gepackt. Das erste Buch ist 'The Book of Deacon' von Joseph R. Lallo.
Erst war es wirklich sehr schleppend, irgendwie kam ich mir wirklich vor wie die Hauptperson, die durch den Schnee stapft und nicht weiss wie es weiter geht und sich ziellos voran schleppt.
Als ich die wirklich lange Einführung hinter mich gebracht hatte, kam etwas Action rein. Ist dann dafür etwas sehr viel aufs Mal. Drachen, Magie und
Malthrope. (Musste ich erst nachgucken, was das ist: https://wiki.bookofdeacon.com/index.php/Malthrope

Naja, ich denke, jetzt wo meine Neugier geweckt wurde, lese ich mal weiter. Gibt ja sonst nicht so viel zu tun an Feiertagen. ;)
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Re: Was lest ihr derzeit?

Beitrag von C-Real » Mo 14. Jan 2019, 18:56

Ich habe meine Beschäftigung mit dem Werk Ian McEwans fortgesetzt. Im Werk The Innocent geht es um einen jungen Briten, der in den 1950ern in Berlin in einem geheimen Tunnelprojekt mit den Amerikanern zusammenarbeitet. Er verliebt sich in eine Deutsche, von der nicht ganz klar ist, was für Absichten sie hat. Und obwohl alles nach einem Spionagethriller aussieht, entwickelt sich das Ganze tatsächlich in eine ganz andere Richtung. Mehr will ich gar nicht verraten. Ich hatte daran meine Freude, denn eine Spionagegeschichte wollte ich nur bedingt lesen. Manchmal ist die Symbolik etwas klar durchschaubar - der Tunnel, der gebohrt wird und das sexuelle Erkunden - und später ist die Geschichte, obwohl recht kompakt, in manchen Beschreibung zu langatmig. Aber dieser Leonard Marnham, der so durchschnittlich-unschuldig wirkt, ist genau der richtige Protagonist! Das Buch entfaltet gerade wegen des ruhigen Erzählstils eine interessante Sogwirkung. 4.5/5

"The Child in Time" fokussiert auch wieder eine männliche Hauptfigur, nämlich Stephen, der seine Tochter im Supermarkt aus den Augen verliert. Ich bin im ersten Drittel, kann also noch nicht furchtbar viel dazu sagen. Die Sprache ist etwas gewollter, wie ich finde, denn sie versucht das Leiden Stephens und die Umwelt mit dem komplexen Phänomen von Zeit und Erinnerung zu verweben. Das ist anspruchsvoller, aber ich weiß noch nicht, wie das aufgehen wird. Dafür enthält dies alles wieder eine viele interessante Subplots, in denen auch die Nebenfiguren zur Geltung kommen, wie eben Thelma Darke, die Frau von Stephens Freund Charles, der eine Karriere als Politiker macht usw.
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Beitrag von C-Real » Fr 15. Feb 2019, 11:47

Zuletzt las ich Frederick Rolfes "Hadrian the Seventh". Das Buch erschien 1904 und gilt weithin als eine persönliche Fantasie des Autoren, der ein abseitiges Künstlerwesen und entfant terrible war. Leider wird die Rezeption des Buches auch immer wieder mit dem Autor verbunden. Das kann man schon irgendwie verstehen, weil die Biografie dieses Mannes (Rolfe ist auch nicht dessen richtiger Name) schon spannend klingt. Aber Werk und Autor gleichsetzen ist doch immer blöde.
Worum geht's also? Hauptfigur ist George Arthur Rose, der in einer Wohnung in London dahinvegetiert, andererseits aber sich stolz als Querkopf behauptet. Der zu Unrecht aus dem Priesterseminar geschasste Katholik erhält dann Besuch von zwei höheren Autoritäten, die ihn wieder in die Kirche aufnehmen - so viel zum Prolog.
Einige Monate später, als ein neuer Papst gewählt werden soll, der Nachfolger von Leo XIII., wird Rose überraschend in den Ränkespielen der Konklave als Kompromisskandidat gewählt. Damit sind nicht alle glücklich, denn Rose, nun Hadrian VII. (in Anlehnung an den einzigen früheren englischen Papst), nimmt seine Aufgabe ausgesprochen ernst und reformiert die katholische Kirche: einerseits sozialer und weniger prunkfreudig, andererseits mischt sie sich in die internationale Diplomatie ein, in der auch damals schon die Zeichen auf Krieg stehen.
Das Buch wurde als Theaterstück adaptiert und hat u.a. auch die erschienene HBO-Serie "The Young Pope" beeinflusst.

Ich habe das Werk zwiegespalten aufgenommen. Die Hauptfigur Rose/Hadrian wird extrem idealisiert und weiß immer seinen Weg und hat immer recht. Ecken und Kanten gibt es durchaus, doch sie werden letztlich immer aufgelöst. Deshalb wiederholt sich auf den 400 Seiten auch vieles, weswegen man viele Passagen überspringen kann.
Doch ebenso hat "Hadrian the Seventh" auch viele Stärken. So ist Rolfe ein durchaus talentierter Schreiber, der zwar manchmal zu ausholend wird, oft aber sehr gut Figuren in wenigen Worten charakterisieren kann. Er benutzt zudem einige ziemlich coole Wörter. Wer also mal herausforderndes Englisch lesen will, kann hier echt was lernen!
Fazit: Interessante Idee, aber man bekommt das Gefühl, ein genaueres Lektorat hätte hier geholfen. 3/5

Jetzt lese ich wieder Graham Greene, und zwar {b]"The End of the Affair"[/b]. Weit bin ich noch nicht. Es geht um einen gehörnten Ehemann, der sich zufälligerweise einem der Liebhaber, dem Ich-Erzähler Maurice Bendrix, anvertraut und diesen wiederum zu einem Detektiv schickt, um nachzuforschen, was die Frau so treibt.
Der Schreibstil, die beginnende Situation im Regen - auf jeden Fall hat mich das Buch gleich um einiges mehr gepackt als das oben erwähnte "Brighton Rock". Es wirkt auf jeden Fall nach einer kleinen, gemeinen und doch menschlichen Geschichte.
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Beitrag von C-Real » Fr 15. Mär 2019, 11:00

"The End of the Affair" blieb ein spannendes Buch und nahm einen sehr interessanten Ausgang. Allerdings sollte der Leser sich schon für das Thema Katholizismus weiter interessieren. Greene, der ja im Laufe seiner Karriere zu einem katholischen Schriftsteller wurde (so hat er sich auch selbst beschrieben), bindet das Thema genauso ein wie in "Brighton Rock" - moralische Dilemmata usw. Zum Glück sind die Figuren hier sympathischer. Ich vergebe am Ende 4.5/5.

Dann bin ich zu Ian McEwan gewechselt und habe dessen "The Comfort of Strangers" gelesen, von 1981, also eines der jüngeren Werke. Wie ich ja oben schrieb, haben mich ganz besonders seine düsteren Kurzgeschichten interessiert. Der Roman geht in eine ähnliche Richtung und ist mit 127 Seiten recht kompakt, eher eine Novelle also. Erzählt wird von Colin und Mary, die in Venedig (das so nicht genannt wird) unterwegs sind und dort auf den mysteriösen Robert treffen, der sie mit seiner Frau bekannt macht. Die Beziehung der Beiden wird auf ein paar Proben gestellt und irgendwie üben die beiden Fremden einen Reiz auf die Besucher aus.
Der Plot ähnelt "Tod in Venedig" von Thomas Mann. Venedig als Handlungsort nennt McEwan nicht direkt, und das ist nur eines von einigen seltsamen Entscheidungen in der Erzählung. Ich habe mich nach dem Lesen schon ein bisschen gefragt, was das alles sollte, zumal Colin und Mary sich nur bedingt nachvollziehbar verhalten. Hier wären subjektive Ich-Erzähler vielleicht besser gewesen? Dennoch hat das Buch durchaus einen gewissen Sog und besonders zum Ende hin wird die Geschichte fesselnd. Doch nachdem ich so viel Anderes von McEwan konsumiert habe, würde ich hier nur 3,5/5 vergeben. Etwas böse könnte man sagen, dass McEwan hier sehr kalkuliert seine eigene Variante von Manns Geschichte entworfen hat. (Und Venedig als Handlungsort ist nun auch etwas ausgelutscht - wobei ich verstehen kann, wie gerade dieser Ort eine niederdrückende Atmosphäre entfalten kann. Eben das hätte McEwan aber noch besser darstellen können.)

Schließlich, um mal auf meiner langen Liste voranzukommen, lese ich nun "The End of Alice". Das Buch hat vor ein paar Jahren heftigen Gegenwind bekommen, schließlich geht es hier um einen Ich-erzählenden inhaftierten Kindermörder, der eine junge Frau per Briefen berät, wie diese einen Jungen aus der Nachbarschaft verführen und töten? kann. Düsterer Stoff also! Da nur aus der Perspektive es Inhaftierten erzählt wird, weiß der Leser nicht, ob das alles auch wirklich so abläuft. Er garniert die, nur in Auszügen vorliegenden Briefe mit eigenen Erzählungen, Gedanken und Theorien, die teils recht wirr verlaufen. Ich bin noch nicht so weit, aber auf finstere Weise faszinierend ist das schon, und auch - mit einigen Ausnahmen - in gutem Stil geschrieben.
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Beitrag von Ar-Zimrathon » Fr 15. Mär 2019, 12:27

Hab auf Grund von www.buchpodcast.de wieder mal von Wheel-of-Time weggewechselt und zwei ähnliche, aber nicht gleiche Bücher gelesen:

Zuerst "The First Fifteen Lives of Harry August" von einer britischen Jungautorin (unter Pseudonym glaub). Grob angerissen, ohne zu viel der Welt und ihrer Funktion zu verraten, deren Erleben für mich das eigentlich Spannende am Buch war, geht es um eben jenen Harry August, der nach seinem Tod jedes Mal zur gleichen Zeit, am gleichen Ort unter den gleichen Umständen wiedergeboren wird und seine Erinnerungen an frühere Leben behält. Das Ganze spielt sich dann im Verlauf des 20. Jahrhunderts ab und erörtert Denkweisen, das Umgehen mit Zeit und dem Tod und hat einen eher allgemeinpsychologischen Touch. Eine Handlung gibt es auch, aber die ist eher nettes Beiwerk (schließt am Ende aber sehr schön ab).

Und dazu den geistigen "Vorgänger" "Replay" von Ken Grimwood, in der der Hauptcharakter Jeff im Jahre 1988 an einem Herzinfarkt verstirbt und sich plötzlich im Alter von 18 Jahren in seinem Collegezimmer wiederfindet. Ähnliches Prinzip wie bei Harry August, während der das Ganze aber eher schlecht verarbeitet, tut Jeff das, was wir alle tun würden: er macht durch Wetten einen Reibach und genießt sein neues Leben...bis es sich wieder wiederholt, sich der Zeitpunkt aber immer weiter nach hinten verschiebt...der Spannungswegfressgrad war/ist (noch 2 Kapitel) bei mir hier nicht ganz so hoch wie bei "Harry August", aber Spaß macht's trotzdem. Jeff handelt halt eher so, wie wir als Ottonormalmenschen denken und versucht über Moral und richtige Entscheidungen sein persönliches Glück zu finden. Zudem gibt's viele popkulturelle Referenzen insbesondere zu den 60ern und 70ern (die bei mir auf Grund des Alters leider nicht alle ankommen...).

Wer die Zeitreisethematik mag, sollte sich beide mal geben, generell bekommt "Harry August" sogar eine Empfehlung über die Thematik hinaus, weil es einfach interessant Geschichte, Psychologie und ein bisschen Plot verknüpft.
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Beitrag von W.F. » Fr 15. Mär 2019, 14:39

Bei mir ist es eigentlich fast alles, was mir zwischen die Finger kommt. Im Moment: Hex von Kai Meyer.
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Re: Was lest ihr derzeit?

Beitrag von C-Real » Sa 30. Mär 2019, 23:40

C-Real hat geschrieben:
Fr 15. Mär 2019, 11:00
Schließlich, um mal auf meiner langen Liste voranzukommen, lese ich nun "The End of Alice". Das Buch hat vor ein paar Jahren heftigen Gegenwind bekommen, schließlich geht es hier um einen Ich-erzählenden inhaftierten Kindermörder, der eine junge Frau per Briefen berät, wie diese einen Jungen aus der Nachbarschaft verführen und töten? kann. Düsterer Stoff also! Da nur aus der Perspektive es Inhaftierten erzählt wird, weiß der Leser nicht, ob das alles auch wirklich so abläuft. Er garniert die, nur in Auszügen vorliegenden Briefe mit eigenen Erzählungen, Gedanken und Theorien, die teils recht wirr verlaufen. Ich bin noch nicht so weit, aber auf finstere Weise faszinierend ist das schon, und auch - mit einigen Ausnahmen - in gutem Stil geschrieben.
..sehr empfehlenswert, mit einigen kleinen Wiederholungen und Undurchschaubarkeiten. Man sollte außerdem den unzuverlässigen Erzähler mögen. Das Buch macht jedenfalls keine Gefangenen und ist darum so gut. 4/5

Ich habe dann noch wieder Ian McEwan gelesen:
Die zweiten Kurzgeschichtensammlung "In Between the sheets" ist mit den Stories ebenfalls teils ziemlich makaber, hat aber mehr Humor - und ist zugleich abstrakter, experimenteller. Man weiß bspw. nicht, ob in der Geschichte "Reflections of a Kept Ape" tatsächlich ein Affe oder doch "nur" ein verstoßener Liebhaber spricht, der sich wie ein Affe fühlt. Mir hat die erste Sammlung besser gefallen, trotzdem empfehlenswert. 4/5

Die Novelle "The Cement Garden" erzählt von vier Kindern, deren Eltern kurz nacheinander sterben. Sie bewohnen ihr Elternhaus dann gemeinsam und müssen den Alltag schmeißen. Das hat Humor, ist aber letztlich auch mit einigen Untertönen versehen und ganz gewiss keine Komödie. Wie in den frühen Kurzgeschichten geht es viel um das, was McEwan selbst mal als "sexual gothic" beschrieb. Erzählt wird aus der Sichtweise des 15-jährigen Jack, der zugleich ein Auge auf seine ältere Schwester geworfen hat. Das sagt schon alles, oder?
Verglichen mit den anderen hochwertigen McEwan-Werken hat mir die Geschichte ebenfalls gut gefallen, aber im Prinzip war das eine der ausgedehnten Kurzgeschichten. Nicht viel Neues also, aber ein gutes Einsteigerwerk. Ich sah allerdings einige verpatzte erzählerische Möglichkeiten, auch hinsichtlich der Glaubwürdigkeit des Szenarios. McEwan ist einer dieser Autoren, die sich eher für ihre tiefere symbolische Ebene und das Innenleben der Figuren vergessen, dafür aber die Plausibilität vergessen. Zumindest bei späteren Werken hat er darauf mehr geachtet (wie in "The Innocent", dem meiner Meinung nach besten Roman bisher). In jedem Fall aber: Lesenswert trotz allem. 3,5/5
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Beitrag von C-Real » Do 25. Apr 2019, 11:05

Ich lese gerade den historischen Roman "The Sunne in Splendour" von Sharon Pearlman. Der Untertitel des Dings: "A Novel about Richard III". Es geht um die Rosenkriege bzw. das Ende derer und den König, dessen Bild von der Nachwelt hauptsächlich durch Shakespears Stück geprägt wurde. Historiker zeichnen ein differenziertes Bild von Richard, und dieses Anliegen war auch das der Autorin. Sie wollte Richard anders darstellen.
Soweit so gut. Ich bin aber doch etwas skeptisch. Das Ding hat 1200 Seiten und fühlt sich, auch auf Seite 711, immer noch ein bisschen an wie eine Aneinanderreihung verschiedener Expositionen. Zumal die Autorin seltsame Entscheidungen für ihre Handlung trifft: Zu viel wird zusammengefasst, was passiert, um dann ziemlich ähnliche Dialoge von Nebenfiguren beizuwohnen. Diese wirken zu allgemein, zu langweilig und zu wiederholend. Insbesondere ist damit seltsam, dass die Handlung sich viel zu wenig auf die eigentliche Hauptfigur fokussiert. Nebenfiguren kommen und gehen, und immer noch ist Richards Bruder Edward IV zentral. Ich verstehe einfach nicht, warum das Buch das macht. Meine Vermutung: Die Autorin wollte ihre, durchaus gründlichen Recherchen alle einbauen. Dabei vergisst sie aber irgendwie eine Geschichte zu erzählen.
Trotzdem werde ich das Buch wohl beenden, im halben Schnell-Lesemodus. Manchmal blitzt nämlich durchaus Tolles auf, etwa wenn Figuren auf Jahre zuvor stattgefundene Geschehnisse zurückkommen. Als Leser denkt man sich dann aber: Da wäre noch eine Menge mehr möglich gewesen! Bisher 3 von 5 "shining breastplates" (d'uh).
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Re: Was lest ihr derzeit?

Beitrag von C-Real » Di 14. Mai 2019, 00:03

Ich hab das Ding durch und so wirklich besser wurde es leider nicht - eher noch schlechter. Ich bin zwar froh es durchgehalten zu haben, aber, Mann, selten so ein Buch gelesen, wo man immer wieder denkt: "Hättest du es so, so, und so gemacht, diese Figur fokussiert, das weggelassen, wäre es geil!"
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Re: Was lest ihr derzeit?

Beitrag von C-Real » So 2. Jun 2019, 19:43

Ganz freiwillig habe ich mir mal die, von vielen wenig geliebte Schulliteratur "Der Schimmelreiter" von Theodor Fontane gegeben. Die Novelle, die Kritik an der Borniertheit der rückständigen, modernisierungsunfreudigen Dorfgemeinschaft mit Motiven der Schauerliteratur verbindet, hat mir sehr gut gefallen. Eine große Atmosphäre hat das Ding auf jeden Fall! Lediglich das Ende erschien mir doch etwas zu abgehackt und auch einige Figuren hätten vertieft gehört.
Fazit: Ein Klassiker, zu recht! 4/5

Dann habe ich "The Brief History of the Dead" von Kevin Brockmeier gelesen. Erzählt wird einerseits die Geschichte der mysteriösen Stadt, in der die Toten auftauchen und sich fragen, was dort eigentlich vonstattengeht; andererseits die Geschichte von Laura, die in der Antarktis ums Überleben kämpft. Mehr sei zu alledem nicht verraten. Man sollte sich ohne große Information auf den Stoff einlassen, indem viele kleine Geschichten mit sympathischen Figuren erzählt werden.
Allerdings: Prosa und Stil, so gut sie sind, haben manchmal etwas in die Langgezogenes an sich. Dadurch ist das Buch, obwohl nicht einmal mit 300 Seiten ausgestattet, gerade in der Mitte etwas repetitiv und anstrengend. Mir hat gerade das Schwierigkeiten bereitet, mich irgendwie fester an den Stoff zu klammern, obwohl er wahnsinnig faszinierend ist. Deshalb das Fazit: Eine gute Idee, die etwas mehr Feinschliff sowie Kürzungen wie Vertiefungen an diesen und jenen Stellen bedurft hätte. 3/5
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Re: Was lest ihr derzeit?

Beitrag von McCrazy » Mo 3. Jun 2019, 09:48

Schon lange her, seit ich hier geschrieben habe und auch was gelesen. Irgendwie bin ich momentan einfach mit anderen Dingen beschäftigt. Habe mir mal wieder Illidan (Warcraft-Buch) raus gekramt, weil ich in einer Woche 2x längere Wartezeiten zu überbrücken hatte.

Habe ja auch einige (fast schon eher viele) Hörbücher, die ich gelegentlich laufen lasse, je nach dem was ich spiele. Bei WoW kann man das schon mal machen, denn im Spiel muss ich nicht viel studieren. ;)

Neu dabei sind die zwei Bücher von 'Pell' von Kevin Hearne (Iron Druid) und Delilah S. Dawson. Das erste heisst 'Kill the Farm Boy' und das zweite 'No Country for Old Gnomes'. Ist so eine Mischung aus Monty Python und Terry Pratchett.
Zitat: Go big or go gnome. The New York Times bestselling authors of Kill the Farm Boy return to the world of Pell, the irreverent fantasy universe that recalls Monty Python and Terry Pratchett.

Ich habe da schon ein Stückchen rein gehört und es ist wirklich sehr schräg, aber lustig. Ich musste tatsächlich lachen beim zuhören. Soweit ich weiss, gibts die Hörbücher nur in englisch.
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Re: Was lest ihr derzeit?

Beitrag von C-Real » Do 28. Nov 2019, 15:59

Komme leider gerade nicht mehr so viel zum lesen, aber ich habe folgende zwei Bücher in den letzten Monaten gelesen:

“The Western Wind” ist eine sehr interessante Mischung aus historischem Roman, Krimi und der Bedeutung von Sünde, Gott und Wahrheit, gepaart mit einigen postmodernen Elementen.

Zu letzterem gehört beispielsweise die Erzählweise: Die Handlung, die sich über 5 Tage erstreckt, wird rückwärts erzählt. Im Gegensatz zu vielen anderen Geschichten, in denen das eher wie eine Spielerei wirkt, macht das hier absolut Sinn. Ich habe nach Beendigung des Romans ein paar Mal geprüft, ob das alles mit dem bekannten “foreshadowing” (backshadowing?) funktioniert - das tut’s!
Ein wohlhabender Mann im Dorf stirbt im Fluss. Mord? Der Dorfpriester, unter den strengen Augen seines Vorgesetzten, soll für diesen einen Schuldigen benennen. Dabei kommen mehr und mehr Zweifel an der Herkunft der Sache ans Tageslicht. Hat sich der gute Thomas Newman womöglich selbst getötet? Was macht sein Tod mit dem vielen Land, das bei einem Selbstmord dem Dorf entglitte und automatisch in die Hände der Kirche bzw. einiger Mönche fiel, die schon ein Auge auf das Land geworfen haben?

Erzählt wird auf einem wirklich hohen Niveau. Figuren erscheinen in neuem Licht, während die Handlung voranschreitet. Vor allem schafft es der Roman, obwohl er keine bekannten Ereignisse der Zeit um 1480 aufgreift, ein sehr gutes Gefühl für das mittelalterliche Landleben und die Bedeutung der Religion (die hier ja nicht ein Nebenbei ist, sondern das alltägliche Leben durchdringt) entwickelt. Beispielsweise gibt es eine Figur, die klar erkennbar nicht der potenzielle Mörder Newmans ist, aber immer wieder zum Beichtgespräch kommt und seine Sündigkeit besprechen will.

Samantha Harvey hat hier ein echt gutes Buch erschaffen, eines der tollsten, die ich in den letzten Jahren lesen durfte, selbst wenn es an ein paar Stellen etwas repetitiv wirkt. Ich gebe deshalb noch 5 von 5.

Danach war mir wieder deutsche Literatur zumute. Ich will vor allen Dingen mehr “Klassiker der zweiten Reihe” lesen, also nicht “Der Zauberberg” oder so etwas, sondern, wie in diesem Fall Wilhelm Raabes “Der Hungerpastor”. Das Ding stand in einer abgeranzten Version bei meinen Eltern herum, mich hat die Prämisse neugierig gemacht: Zwei Jungen wachsen unter ärmlichen Verhältnissen auf, beide eint ein Hunger nach Bildung, und, typisch Bildungsroman, sie steigen beide auf, jedoch nehmen die Zwei unterschiedliche Lektionen mit.

Beschreiben kann Raabe. Er, als Vertreter des poetischen Realismus, konnte mich mit einigen Formulierungen sehr begeistern. Besonders die Schilderungen im ersten Drittel des Buches gefallen mir sehr gut und sind eigentlich schon jedem zu empfehlen, der Ausdruck und Wortschatz verfeinern möchte.
Die restliche Handlung wirkt allerdings recht zäh. Die beiden Hauptfiguren Johannes Unwirsch und Moses Freudenstein, einst ungleiche Freunde, treffen sich erwachsen wieder. Ihre Figurenentwicklung wird eher behauptet als tatsächlich beschrieben. So ist der erste ein passiver, am Wasser gebauter angehender Pfarrer, der erstaunlich wenig predigt, und der andere ein hochgebildeter, aber bösartiger und intriganter Philosoph - und Jude. Dem Buch wurde ja Antisemitismus vorgeworfen. Das könnte ein hypersensibler Leser auch so sehen, gerade heute. Kann man auch so sehen, allerdings wird hier nicht stumm irgendein Klischee bedient und Freudensteins Herkunft gezeigt.
Schlimmer sind eigentlich die Frauenfiguren. Anstatt sich aber auf den Konflikt der Beiden zu konzentrieren, werden die Damen der Schöpfung als wandelnde Klischees eingeführt. Warum Unwirsch sich in “das Fränzchen, oh, Fränzchen!” verliebt kann der Leser der Gegenwart nur mit Stirnrunzeln entschlüsseln. So wird eine eigentlich interessante Rivalität der Ideen für eine stumpfe Liebesintrige geopfert. Die Handlung plätschert dahin.

Ich gebe daher 2,5 von 5.
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Re: Was lest ihr derzeit?

Beitrag von McCrazy » Fr 27. Dez 2019, 10:44

Kurz vor Weihnachten bekam ich von einem Onlinegamer-Kumpel eine (Hör-)Buchempfehlung. Da ich bei Audible noch ein ziemlich dickes Guthabenpolster hatte, habe ich mir gleich die ersten 5 Bücher aus der Reihe geschnappt. Später habe ich erfahren, dass die auf Spotify kostenlos sind, allerdings habe ich mit Spotify nie was gemacht.

Autor: Simon Becket
Reihe: David Hunter 1-5 (Nr. 6 soll am 12.2.2020 erscheinen) [edit 14.2.2020] ist am 12.2.2019 erschienen. Lesefehler oder falsche Information.
Titel: Die Chemie des Todes, Kalte Asche, Leichenblässe, Verwesung, Totenfang

Ich habe die Bücher am 22.12. gekauft und bin nun bei den ersten Kapiteln von Buch 4 (Verwesung). Die Hörbuchdauer liegt zwischen 10 Std. 45 Min. und 15 Std. 47 Min.

Inhaltsangabe vom ersten Buch:
Nach dem Tod seiner Frau und der gemeinsamen Tochter kehrt David Hunter dem illustren Dasein als berühmtester Gerichtsmediziner Englands den Rücken und wird Assistent eines Landarztes. Eines Tages finden zwei Jungen beim Spielen in dem beschaulichen Örtchen in Devonshire die Leiche einer Frau. Hunter gerät als Fremder im Dorf und Freund der toten Außenseiterin unter Tatverdacht. Als sich herausstellt, daß er ein Forensik-Experte ist, drängt ihn die Polizei zur Mithilfe. Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, da bereits eine zweite Frau verschwunden ist.

Mit der Figur des David Hunter hat Beckett erstmals einen Rechtsmediziner zum Helden eines Bestsellers gemacht. Das Thema Forensik weckt Abscheu und Neugier zugleich. Schauer garantiert!


Der deutsche Sprecher der Bücher ist Johannes Steck und der macht seine Sache ausserordentlich gut. Ich mag die Stimme und wie er den Text rüber bringt. Auf jeden Fall habe ich schon lange nicht mehr so spannende 'Lektüre' genossen, obwohl teilweise sehr genaue und gruselige Beschreibungen von Sachen stattfindet. Mehrfach krasse Wendungen in jedem Buch, so dass es bis zum Ende immer spannend ist.

Klare Empfehlung für alle, die Krimis mit CSI mögen. Beim ersten Buch hab ich den richtigen Täter mehr aus Zufall erkannt, bei den anderen hatte ich fast jeden mal im Verdacht nur nie den wirklichen Täter.
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Re: Was lest ihr derzeit?

Beitrag von C-Real » Sa 4. Jan 2020, 16:43

Von meiner Freundin habe ich mir über die Weihnachtstage das Buch "The Last" geben lassen. Hanna Jameson, Jungautorin, lässt ihre Hauptfigur Jon berichten, was sich in den ersten Tagen nach einem Atomkrieg zugetragen hat. Jon und Andere sind in der Schweiz in einem Hotel ziemlich gut davongekommen und mit guten Vorräten ausgestattet. Man sucht Kontakt untereinander oder zur Familie in der Ferne. Verkompliziert wird die Lage erst, als man in den Wassertanks auf dem Dach die Leiche eines Mädchens findet. Jon will dieses Mysterium unbedingt aufklären, und sei es nur um seine eigenen Dämonen zu bekämpfen...

Meiner Meinung handelt es sich hierbei um ein Buch, das sehr viel Potenzial verschenkt. Locker und flott geschrieben, zieht einen das Buch durchaus in den Bann. Die Autorin weiß Spannung aufzubauen und wichtige, tiefe Fragen durchaus gut verpackt anbei zu behandeln.
Es sind dann die letzten 50 Seiten des Buches, die der Geschichte das Genick brechen. Es werden neue Elemente eingeführt und bisherige Handlungsfäden eher plump zusammengeführt. Auch kommt Plumpheit ins Spiel: Wichtige Sachen, z.B. zu Jons Vergangenheit oder Erinnerungen, tauchen gerade dann auf, "wenn's passt".
Auch die ganze Art des Berichts - unreliable narrator und so - wird nicht wirklich durchgehalten, da es sich so doch nach einem klassischen Roman mit viel wörtlichen Reden usw. liest. Schließlich, als kleinerer Kritikpunkt: Die Autorin hätte sich genauer über die Auswirkungen eines Atomkriegs informieren sollen. Geht aber so auch klar, meine ich.

"The Last" hätte ein echter Klassiker werden können, wenn es noch einmal überarbeitet würde. Es fühlt sich einfach an, als hätte die Autorin keine Lust oder Zeit für das Neuschreiben einiger Stellen gehabt. So schwelt es eher auf dem Niveau von Bahnhofsliteratur - aber dann schon einer, die spannend genug ist, um lange Zeit zu unterhalten. 3/5
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Re: Was lest ihr derzeit?

Beitrag von coffee_smurf » Sa 25. Jan 2020, 19:50

Terry Pratchetts "Discworld", schön chronologisch, alle 42 Bücher (z. Zt.: "Mort").

Irgendwie kann man die immer mal wieder lesen (aber nur in englisch!).
Veni, vidi, violini - Ich kam, ich sah, ich vergeigte.
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Re: Was lest ihr derzeit?

Beitrag von C-Real » Di 3. Mär 2020, 13:49

Jonathan Coe hat mit Middle England einen Roman geschrieben, in welchem er ältere Figuren wiederverwendet, die nun die Wirren des Brexits miterleben. Die Geschichte setzt aber schon früher ein, um 2010 herum und schildert auf eher amüsante, herzliche, teils aber auch oberflächliche Weise, wie es zu so etwas wie dem Brexit kommen konnte. Es geht um Austerität, zynische Politiker, culture clash, toxische Nostalgie.
Mir, als Interessiertem, hat das nicht viel Neues gesagt, doch die Figuren waren sympathisch genug. Einige Figuren hätten etwas mehr Raum bedurft. Der Stil von Coe ist leichtfüßig und flüssig, manchmal aber etwas "too much on the nose". Wäre man zudem etwas böse, könnte man sagen, dass das Buch mal wieder zeigt, wie sehr die Briten - konkreter: Engländer - sich nur um sich selbst drehen, und das nicht einmal Coe selbst auffällt.

Fazit: 4/5, weil es doch unterhaltsam genug ist.
C-Real
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Re: Was lest ihr derzeit?

Beitrag von C-Real » Mo 20. Apr 2020, 09:12

Ich hatte in den letzten beiden Monaten zwei weitere englische Bücher gelesen:

Ian McEwans Machines Like Me spielt in einem alternativen 1980er Englands. Alan Turing ist nie früh verstorben, sondern hat sein Wissen in die Welt gebracht. Es gibt daher bereits das Internet und nun auch die ersten, quasi-menschlichen Roboter. Hauptfigur Charlie, ein Langweiler, kauft sich so einen Adam, der ihm dann ein seltsamer Kamerad wird und in seiner Beziehung zu Miranda, die ihm über ihm wohnt, eine ganz besondere Rolle einnimmt.
Mehr darf man eigentlich nicht verraten. McEwan ist ja, wie ich hier schon oft geschwärmt habe, ein talentierter und tiefgründiger Autor. Niemand sollte also simple Technikkritik erwarten, noch reine Genreliteratur. Und auch keine plumpe Dreiecksbeziehung. McEwan entwirft mit wenigen Sätzen ein etwas unklares, aber doch funktionierendes Setting für die Behandlung seiner ethischen Fragen. Auch schimmert er der frühe McEwan durch mit seinen Betrachtungen von Außenseitern und des Grotesken.

Mir gefiel das Buch, ich hätte mir jedoch tatsächlich etwas mehr zum Szenario und dessen Plausibilität gewünscht. Auch bin ich mir nicht sicher, ob die relative Beschränkung auf das Leben der drei Hauptfiguren nicht doch hätte ausgeweitet werden können. Aber wer sich für solche Szenarien interessiert, sollte zugreifen. 4 von 5

Edith Pargeter ist eine bereits verstorbene grand dame des historischen Romans, wobei sie vielfach unter ihrem Pseuodnym Ellis Peters bekannt ist und solche historischen Krimis über einen ermittelnden Mönch (lookin at you, Umberto Eco) verfasst hat. Diese gelten manchen wieder als zu leichtgewichtig, die Meinungen sind da gespalten wie mir scheint. Für die einen ist das alles unterhaltsam und doch gut recherchiert, für die anderen zu sehr moderne Menschen in alten Klamotten (die Hauptgefahr aller historischen Romane).

Ich habe mir aber ein kleines, feines Buch aus ihrem Spätwerk geschnappt: A Bloody Field by Shrewsbury. Erzählt wird aus den Anfangsjahren der Regentschaft von Henry IV, der Richard II abgesetzt hat und, eher widerwillig, die Krone übernahm und damit erster Lancaster auf dem englischen Thron war. Henry IV fremdelt mit der Krone, ist unsicher, und enttäuscht so seinen Sohn, den späteren Henry V, sowie seinen Ritter Henry "Hotspur" Percy. Letzterer ist auch Lehrer des Prinzen. Als dann rauskommt, dass Richard II in Gefangenschaft ermordet wurde und Henry IV Hotspur unfair behandelt, bringt dies das Fass zum Überlaufen und sorgt für einen gewaltigen Konflikt inmitten der walisischen Rebellion.

Mir gefiel dieser Roman sehr gut, weil er ein Epos ist, ohne dieses große Epos zu sein, d.h. das Leben irgendeiner historischen Gestalt von vorne bis hinten abzubilden. Pargeter schafft es, die Shrewsbury-Situation klar narrativ zu unterfüttern und macht daraus eine klare Exposition, Höhepunkt und dann Konsequenz. Auch das kriegen viele historische Romane nicht hin, sodass ich allein davon schon beeindruckt bin und viel lernen konnte.
Das Portrait der drei Männer im Zentrum ist in weiten Teilen auch sehr gut gelungen. Hotspur ist etwas zu ritterlich, Henry IV etwas zu düster und Prinz Hal ein wenig zu sehr am Seitenrand. Außerdem gibt es eine etwas zu schwulstige Romanze - aber da das Buch in den 70ern rauskam ist es ok. Ähnliches gilt für den Stil, wobei ich ihn sehr gut fand, mit tollen Formulierungen darin.

Fazit: Ein sehr guter historischer Roman! 4 von 5. Edith Pargeter ist keine Hilary Mantel, aber sie kommt dem Meisterinnenspektrum schon sehr nahe.
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Re: Was lest ihr derzeit?

Beitrag von McCrazy » Mi 23. Dez 2020, 07:46

Gestern Abend habe ich mir ein paar Stündchen auf dem Sofa mit Stormlight Archives 4 gegönnt. Allerdings habe ich schnell gemerkt, dass mir Leute und Situationen aus Buch 1+2 noch bekannt sind, sehr vieles aus Buch 3 allerdings nicht mehr so präsent ist. Daher könnte es sein, dass ich Buch 3 erst noch mal lese, um den neuesten Entwicklungen folgen zu können.
Buch 1+2 habe ich auch mindestens 2x gelesen und 1x als Hörbuch durch. Buch 3 maximal 1x gelesen.
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